Minijob auf Abruf

Mit dem Gesetz über den Mindestlohn und dem Teilzeit- und Befristungsgesetz sind weitreichende Änderungen in Bezug auf die sogenannte „Arbeit auf Abruf“ in Kraft getreten.

Durch das Mindestlohngesetz und die Erhöhung des Mindestlohnes zum 01.01.2019 auf 9,19 € pro Stunde senkt sich die maximal monatliche Stundenzahl bei Minijobbern weiter ab. Um nicht über die 450 € Grenze zu kommen, können die Minijobber maximal 48 Stunden pro Monat arbeiten. Dies sind umgerechnet 11 Stunden in der Woche (Wochenfaktor von 4,33 Wochen pro Monat).

Wir bitten um Beachtung.

Die umfassendere Änderung ist durch das Teilzeit- und Befristungsgesetz in Kraft getreten:

Ist die wöchentliche oder monatliche Arbeitszeit nicht vertraglich festgelegt oder ist Arbeit auf Abruf vereinbart, greift dann eine gesetzliche Vermutung bzgl. der Arbeitszeit.

Bis zum 31.12.2018 wurde als fiktive Arbeitszeit eine wöchentliche Arbeitszeit von 10 Stunden angenommen – ab dem 01.01.2019 wird als fiktive Arbeitszeit eine Zeit von 20 Stunden pro Woche unterstellt.

Das bedeutet: wird Minijob vereinbart – aber keine regelmäßige Arbeitszeit so rechnet der Gesetzgeber wie folgt: wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden, Mindestlohn 9,19 €, Wochenfaktor 4,33 = 796,47 € Bruttolohn – die Minijob Grenze ist also überschritten!!

WICHTIG: Diese Folge tritt nicht nur ein, wenn im Arbeitsvertrag Arbeit auf Abruf vereinbart wurde, sondern auch dann, wenn kein Arbeitsvertrag abgeschlossen wurden – und nur ein Personalfragebogen ausgefüllt wurde! Insbesondere dann, wenn in den Personalfragebogen keine Angaben zur Arbeitszeit enthalten sind.

 

Was passiert, wenn die fiktive Arbeitszeit angewendet wird?

Da dann die Minijob – Grenze überschritten ist, tritt vollumfänglich Sozialversicherungspflicht ein. Ebenfalls entfällt die Möglichkeit die Lohnsteuer zu pauschalieren.

Die Deutsche Rentenversicherung wird, die nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge nachfordern – im schlimmsten Fall für 4 Jahre. Zudem fallen für die nicht fristgerechte Zahlung Säumniszuschläge an.

Der betroffene Arbeitnehmer kann im Übrigen ebenfalls das bisher nicht ausgezahlte Entgelt auf Basis der gesetzlichen Fiktion nachfordern!

 

Was ist zu tun?

Prüfen Sie ihre bestehenden Arbeitsverträge auf die neuen Regelungen hin und ergänzen diese gemeinsam mit ihren Arbeitnehmern.

Stellen Sie neue Minijobber ein, so vereinbaren Sie bitte eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit – unter Beachtung der 11-Stunden Grenze. Bitte achten Sie in diesem Zusammenhang auch darauf, dass auch Minijobber einen gesetzlichen Urlaubsanspruch haben.

Diese Artikel könnten Sie interessieren
Sonderzahlungen steuerfrei möglich

Steuerfreie Sonderzahlungen oder als Sachleistungen für Angestellte im Jahr 2020 möglich.

» Weiterlesen

Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze

Die Weiterarbeit oder der Wiedereinstieg nach Rentenbeginn erleichtert die verschobene Hinzuverdienstgrenze für das Jahr 2020.

» Weiterlesen

Stundung der Sozialbeiträge

Befinden sich Arbeitgeber aufgrund der Corona-Krise in einer finanziellen Notlage, müssen sie zunächst keine Sozialversicherungsbeiträge abführen.

» Weiterlesen